Zwischen Präsenz und Erschöpfung – mein Konflikt mit Social Media
- Jacqueline Kolesch
- 1. März
- 2 Min. Lesezeit
Social Media ist mein Werkzeug. Mein Portfolio. Mein Arbeitsplatz.
Und manchmal auch mein größter innerer Konflikt.
Ich habe drei eigene Instagram-Accounts:
einen beruflichen als Assistenz, einen für Reisen und einen für Fotografie.
Dazu kommen die Accounts meiner Kund:innen, die ich betreue, plane, pflege, analysiere.
Auf dem Papier ist das „nur Instagram“. In der Realität ist es ein ständiges Wechseln von Rollen, Identitäten und Erwartungen.
Was viele nicht sehen:
Ich bin selten einfach nur online.
Ich bin strategisch online. Beobachtend. Vergleichend. Planend. Reagierend.
Und genau hier beginnt mein Problem.
Wenn Leidenschaft zur Dauerpräsenz wird
Ich liebe kreative Arbeit. Ich liebe visuelle Ästhetik, Storytelling, gute Feeds.
Aber sobald etwas gleichzeitig Beruf und persönlicher Ausdruck ist, verschwimmen Grenzen.
Ich scrolle nicht mehr aus Neugier – sondern aus Pflicht.
Ich poste nicht mehr nur, wenn es sich richtig anfühlt – sondern wenn es „sinnvoll“ ist.
Und selbst wenn ich privat unterwegs bin, denkt ein Teil von mir:
Wäre das Content?
Sollte ich das festhalten?
Passt das zu Account A, B oder C?
Ruhe fühlt sich dann nicht wie Ruhe an – sondern wie Versäumnis.
Drei Accounts, drei Versionen von mir
Jeder Account zeigt einen Ausschnitt von mir.
Aber keiner zeigt mich ganz.
• Die Assistenz-Version ist professionell, strukturiert, zuverlässig.
• Die Reise-Version ist frei, leicht, ästhetisch.
• Die Fotografie-Version ist kreativ, sensibel, beobachtend.
Alle sind echt.
Und trotzdem entsteht ein innerer Druck, all diesen Versionen gerecht zu werden – regelmäßig, konsistent, sichtbar.
Manchmal frage ich mich: Wer bin ich, wenn ich nichts poste?
Kund:innen-Accounts – Verantwortung ohne Abschalten
Zusätzlich trage ich Verantwortung für die Sichtbarkeit anderer.
Algorithmen, Reichweite, Deadlines, Erwartungen – auch das hört nicht einfach auf, nur weil ich müde bin.
Social Media kennt keinen Feierabend. Und genau deshalb muss ich ihn definieren.
Mein Lösungsweg (kein perfekter, aber ein ehrlicher)
Ich habe verstanden: Ich muss Social Media entflechten, um nicht daran zu zerbrechen.
Was mir hilft – und noch immer hilft zu lernen:
1. Klare Rollen, klare Zeiten
Kund:innen-Accounts sind Arbeitszeit. Punkt.
Eigene Accounts bekommen feste Zeitfenster – nicht den ganzen Tag.
2. Nicht jeder Account muss wachsen
Manche dürfen einfach existieren.
Ohne Druck. Ohne Algorithmus-Gehorsam.
3. Bewusste Offline-Räume
Zeiten, in denen nichts dokumentiert wird.
Erlebnisse, die nur mir gehören.
4. Erlaubnis zur Unvollständigkeit
Ich bin mehr als mein Feed.
Und mein Wert hängt nicht an meiner Sichtbarkeit.
Fazit
Social Media ist weder Feind noch Freund.
Es ist ein Raum – und ich darf entscheiden, wie viel Platz er in meinem Leben einnimmt.
Ich lerne gerade, nicht alles zu teilen.
Nicht überall präsent zu sein.
Und mich selbst nicht mit meiner digitalen Existenz zu verwechseln.
Vielleicht ist das die eigentliche Lösung:
Nicht weniger Social Media –

sondern mehr Bewusstsein für mich selbst.



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