Der Wandel im Wasser
Noch trägt der See die Wärme des Sommers. 23 Grad – das Wasser legt sich um die Haut wie ein zweites, weicheres Kleid, samtig, fast schwer vor lauter Güte. Wenn ich eintauche, ist da noch dieses vertraute Gefühl von Umarmung, von einem Element, das mir wohlgesinnt ist, das mich trägt, ohne mich zu mahnen.
Und doch. Wer oft genug hineingeht, spürt es: Etwas hat sich verschoben. Es ist nichts, das man mit der Hand greifen könnte, keine Zahl, die groß genug wäre, um es zu erklären. Es ist eher ein Ton, der sich verändert hat – als würde der See selbst schon anders atmen. Die Morgen sind kühler geworden, bevor die Sonne die Oberfläche wieder erwärmt. Das Licht fällt flacher ein, streift die Wellen in einem Winkel, den der Hochsommer nicht kannte, und lässt sie golden aufblitzen statt weiß.
Beim Schwimmen merke ich es zuerst an den Rändern. Dort, wo Ufer und Wasser sich berühren, ist es schon kühler, ein erster leiser Vorbote dessen, was kommt. Die Mitte des Sees hält noch fest an der Wärme, wie ein Herz, das sich gegen das Vergehen der Jahreszeit stemmt – aber auch dort, weiß ich, ist es nur eine Frage der Zeit.
Es gibt eine besondere Ehrlichkeit in diesem Übergang. Der August lügt noch ein wenig, gaukelt Beständigkeit vor, während der September schon in den frühen Stunden seine Visitenkarte hinterlässt: ein leiser Nebel über der Wasseroberfläche, ein Frösteln beim Herausklettern, das im Juli undenkbar gewesen wäre. Das Wasser wird in den kommenden Wochen langsamer, schwerer werden, seine Samtigkeit wird einer klareren, wacheren Kühle weichen. Jeder Schwimmzug wird dann mehr Widerstand kosten, aber auch mehr Klarheit schenken – als würde der See selbst konzentrierter, wacher werden, sobald die Trägheit des Sommers von ihm abfällt.
Es ist dieser Moment des Dazwischen, den ich am meisten liebe. Noch ist nichts verloren, aber schon ist etwas im Kommen. Das Wasser hält den Sommer wie ein letztes Versprechen fest, während der Herbst sich längst am Horizont ankündigt – in der Farbe des Himmels, im Stand der Sonne, im ersten Blatt, das lautlos auf die Oberfläche fällt und für einen Wimpernschlag lang alles verändert, was gerade noch selbstverständlich schien.
Schwimmen in diesen Tagen bedeutet, den Wandel am eigenen Körper zu spüren, bevor der Kopf ihn begreift. Jeder Tag im Wasser ist eine kleine Messung: Wie warm ist es heute noch? Wie lange hält der Sommer sich noch? Und mit jeder Antwort wächst auch eine stille Vorfreude auf das, was kommt – auf das klare, kühle, wache Wasser des Herbstes, das eine ganz eigene Schönheit in sich trägt.



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